06.12.2018 | Neuigkeiten & Interviews

Start-ups in der Pflege


Wie Start-Ups für höhere Effizienz in der Pflege sorgen können.

Der Mega-Trend digitale Transformation ist eine der größten Herausforderungen der Wirtschaft in den kommenden Jahren. Und sie nimmt tatsächlich bei Unternehmen in den vergangenen Jahren einen immer höheren Stellenwert ein. So antworten 55% das Digitalisierung zu einer Anpassung des Geschäftsmodells und/oder bestehender analoger Prozesse führen wird, 28% glauben an die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und zwölf Prozent an die Vereinheitlichung und Optimierung der IT-Systeme[1]. DaDas Verbesserungspotenzial durch Digitalisierung wird im Gesundheitssektor als sehr hoch eingeschätzt, allerdings ist der Digitalisierungsgrad im Gesundheitswesen im Vergleich noch sehr gering ausgeprägt[2].

 

Verbesserungspotential im Verhältnis zur Ineffizienz des Sektorsystems

 

Digitalisierungsgrad jedes Sektors

 

Sprich: Das Gesundheitswesen im Allgemeinen, und die Pflege im Besonderen gelten im Branchenvergleich als digitale Nachzügler. Fairerweise muss aber auch die andere Hälfte der Geschichte ergänzt werden. Nämlich, dass sich Pflege als personenbezogene Dienstleistung in diesem Punkt schlecht mit anderen Branchen wie  Kommunikation & Medien, Handel und Konsumgüter oder Finanzdienstleistungen vergleichen lässt. Diese wurden beziehungsweise werden durch digitale Technologien disruptiert: bestehende Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand, neue Märkte müssen mit neuen digitalen Produkten erschlossen werden, zusätzliche Spieler konkurrieren mit etablierten Playern.  Wie sieht die digitale Transformation dagegen im Pflegebereich aus?

Kern der Dienstleistung wird weiterhin die persönliche Pflege des Patienten sein. Menschliche Zuwendung und Fürsorge wird sich auch in Zukunft nicht durch neue Technologien ersetzen lassen, auch nicht durch Pflegeroboter – aber wer würde sich dies auch ernsthaft wünschen. Allerdings gibt es bereits jetzt die Möglichkeit, sämtliche Prozesse um die Kerndienstleistung herum digitaler als bisher zu gestalten und daher für Entlastung des Personals zu sorgen. Bei der Hotelkomponente geschieht dies z.B. durch Smart Home - und digitale Überwachungssysteme. Im Bereich Dokumentation werden bereits überwiegend digitale Systeme eingesetzt, aber auch hier können beispielsweise durch Robotic Process Automation (RPA) oder künstliche Intelligenzen (KI) noch Potenziale gehoben werden. Während durch RPA stark repetitive Aufgaben mittels Softwareunterstützung gelöst werden ist KI in der Lage, durch kognitive Technologien auch komplexere Tätigkeiten zu automatisieren. Daneben finden sich auch in anderen Bereichen wie Learning, Marketing und Customer Relationships Optimierungsmöglichkeiten.

Hygiene, Bettenkonzept, Anbietervergleich – Start-up Initiativen in der Pflege

Schnell müssen sie da sein, denn der Druck steigt stetig. Agil könnten sein, um auf unterschiedliche Situation angemessen reagieren zu können. Konkret sollten sie sein, um ein Bild der Ziele und Strategien zu vermitteln. Innovationen werden heutzutage zu einem sehr großen Teil durch Start-ups in etablierte Unternehmen getragen, weil sie die genannten Attribute mitbringen und es ihnen gelingt, außerhalb bestehender interner Strukturen zu denken. Wie Innovationen in der Pflege aussehen können, zeigen wir Ihnen anhand der folgenden vier Beispiele:

Das Start-up HyHelp ist im Bereich der technischen Assistenz und Organisation tätig. Hygienemanagement ist hierbei ein wichtiges Stichwort. Mit Hilfe von Sensoren an Pflegern und Desinfektionsmittelspendern kann dabei sehr genau ausgewertet werden, wie oft Hände desinfiziert werden und diese Ergebnisse in Abläufe und Pläne integriert werden.   

Das dänische Start-Up GDV Technology bietet mit Careturner eine Lösung an, die ein vollkommen neuartiges technisches Bettenkonzept umfasst, bei dem zum Beispiel  das Drehen des Patienten stark erleichtert wird und der Patient im Schlaf gedreht werden kann. Dies sorgt für ein rückenschonenderes Arbeiten der Pfleger und für weniger Stress der Patienten.

Einer der bereits jetzt schon größten Anbieter im Bereich ambulanter Pflege ist Careship. Die Plattform bietet interessante Informationen zum Thema Pflege und ermöglicht den qualitativen Vergleich verschiedener Anbieter.

Curassist bietet selbständigen Pflegekräften an, diese im Bereich Verwaltung starkzu entlasten. Das Portal dieses Start-ups ermöglicht es selbständigen Pflegekräften, sich dem Patientengegenüber zu präsentieren und ihn bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Diese vier vorgestellten Unternehmen mit ihren Ideen sind lediglich als ein Ausschnitt zu verstehen. Aber bereits diese Einblicke zeigen, dass sich auch große, etablierte Pflegefirmen mit Innovationen beschäftigen müssen, um nicht nur weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern um auch dem Wohl des Patienten immer gerechter zu werden.

 

Autor

Peter Lennartz, Partner Assurance, Leiter Start-up Initiative Deutschland, Österreich und Schweiz
Peter.Lennartz@de.ey.com
+49 30 2547 120 631
+49 160 939 20631

 

[1] etventure-Studie „Digitale Transformation 2018“

[2] EY, digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen II, Pfannstiel 2016

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