05.08.2015 | Neuigkeiten & Interviews

Wo bitte geht’s nach „Silicon Mitteldeutschland“?


Begleitet Stefan Mayer-Ehrling von der EY Start-up-Initiative in Mitteldeutschland auf seiner Tour durch eine vielversprechende Gründerlandschaft

Die Ziele unserer Reise liegen nur ein bis zwei Eisenbahnstunden von der deutschen Start-up-Metropole Berlin entfernt. Sie befinden sich in Mitteldeutschland: also in den drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hier ist die Gründerszene zwar nicht so laut wie in der Bundeshauptstadt, dennoch ist ein deutliches Grundrauschen zu vernehmen.

WAS DIE SZENE AUSZEICHNET?

Ganz klar die Vielfältigkeit. Das betrifft nicht nur die Themen und Branchenschwerpunkte, sondern auch das gesamte Ökosystem, in dem Start-ups gedeihen. Sicher, einen eindeutigen Fokus, wie IKT in Berlin oder Medizintechnik in Heidelberg, gibt es hier nicht. Dafür ist die Palette der Geschäf tsideen so bunt wie die Hochschullandschaft, die gut entwickelten Cluster sowie die Möglichkeiten der Vernetzung und des Wissenstransfers. Gründer profitieren auch von zahlreichen Technologie- und Gründerzentren sowie Instituten für Forschungstransfer an den Hochschulen. Beispielsweise das Institut Univations ist eine erste Anlaufstelle für gründungsinteressierte Studenten, Wissenschaftler und Professoren an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt. In Sachsen engagieren sich beim Technologietransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft insbesondere Smile in Leipzig, Saxeed in Chemnitz sowie Dresden exists. Und für die Thüringer Hochschulgründerszene stehen unter anderem Neudeli in Weimar, K1 in Jena und Auftakt in Ilmenau zur Verfügung.

Wie fruchtbar der Nährboden für kreative Köpfe ist, zeigt sich an vielen Orten. So befindet sich in der Region zwischen Freiberg, Chemnitz und Dresden das Silicon Saxony. Es ist der größte Mikroelektronikstandort Europas. In Leipzig und Dresden wächst darüber hinaus mit Biosaxony eine der dynamischsten Biotechnologieregionen Deutschlands heran. Jena wiederum ist als Zentrum der Optik- und Feinmechanik-Industrie bekannt. Und Weimar beheimatet mit der Bauhaus-Universität die Hochschule für Kunst und Technik, während sich die Städte Halle (Saale), Merseburg und Bitterfeld als das mitteldeutsche Chemiedreieck etabliert haben. Die besten Voraussetzungen also, um zu sähen und zu ernten.

 

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UND SONST SO ...?

Start-ups finden in dieser Gründerlandschaft alles, was sie brauchen. Es gibt eine vitale Szene mit klugen Denkern, Spezialisten und Könnern, die ihre Leistung etwas günstiger als anderswo anbieten können. Die Preise für Immobilien sind niedriger als an anderen Orten mit vergleichbarem Potenzial. Und auch hier gilt: Garage war gestern! Schließlich gibt es wie in anderen Start-up-Zentren genug Coworking Spaces, um sich zu vernetzen und flexibel zu arbeiten: Basislager Coworking in Leipzig, Cloudsters Dresden, Business Village in Chemnitz und Kombinat Süd in Jena, um nur einige Beispiele zu nennen. Gerade wenn es ums Beschleunigen geht, bekommen Start-ups in Mitteldeutschland einen Support, der in Deutschland seinesgleichen sucht. SpinLab ist der Accelerator der Leipziger Handelshochschule HHL. Sie ist eine der traditionsreichsten Wirtschaftshochschulen Deutschlands und laut Financial Times seit Jahren weltweit führend im Bereich Entrepreneurship. In dem im November 2014 vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft herausgegebenen Ranking, dem Gründungsradar, liegt die HHL auf dem ersten Platz unter allen Business Schools und Hochschulen mit bis zu 5000 Studierenden. Ebenfalls erstrangig ist der Dresdner Inkubator HighTech Startbahn mit seinen namhaften Mitgliedern aus Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft. Aber auch Sachsen-Anhalt hat einiges für Gründer zu bieten: Die MartinLuther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) war 2014 unter den Top Ten des Gründungsradars.

VERANSTALTUNGEN MIT FORMAT

Auch in der Mitte des Landes ist der Zugang zu regionalem, nationalem und internationalem Venturecapital kein einfaches Unterfangen. Da ist es gut für Gründer, dass es auch in Mitteldeutschland Mentoren gibt, die mit eigenständigen Veranstaltungsformaten die Kapitalakquise, den Austausch und die Suche von Partnern bei den Unternehmen fördern.

Das Investforum Sachsen-Anhalt etwa ist eine Plattform für die Akquisition von Kapital und hat sich seit 2009 zur größten Matching-Veranstaltung für Beteiligungskapital in Mitteldeutschland etabliert. Die nächste Veranstaltung findet am 16. September 2015 in Halle (Saale) statt. Am 5. und 6. Oktober organisiert die HighTech Startbahn in Dresden die Hightech Venture Days 2015 und bringt insgesamt 60 kapitalsuchende Hightech-Unternehmen mit über 60 internationalen Investoren zusammen. Hierzu gehören Business Angels, Venturecapital, Corporate Ventures, Banken sowie der „investierende Mittelstand“.

Ein ganz besonderes Format ist auch Startklar von EY. Die Veranstaltung mit dem Ziel, Startups, Unternehmer und Investoren in den Dialog zu bringen, findet abwechselnd in allen drei Bundesländern statt. Ebenfalls innovativ sind die deutschlandweit stattfindenden Startup Weekends, die auch in Mitteldeutschland Station machen. Hier erarbeiten regelmäßig dutzende Gründungsinteressierte gemeinsam mit versierten Profis und Mentoren die Basis für ein Start-up oder den Launch eines neuen Produktes.

GANZ VORNE MIT AM START

Die Erfolge beweisen, dass Gründer nicht an die Spree ziehen müssen, um ganz vorne mitzuspielen. So konnte es Novaled mit seinen revolutionä- ren organischen Leuchtdioden dank des Rückenwinds der Stadt Dresden und des Landes Sachsen vom Drei-Mann-Büro im Dresdner Szeneviertel Neustadt zum Unternehmen im Samsung-Weltkonzern bringen. Lovoo, ein Netzwerk zur Mobile Social Discovery, wurde 2013 in das Programm „German Silicon Valley Accelerator“ aufgenommen und ist auf dem Sprung zur Internationalisierung. Rotorvox erschließt mit seinem im Juni 2015 zugelassenen Vollcarbon-Gyrocopter ein neues Segment im Markt der Ultraleichtflugzeuge. Die Gründung startete das bislang größte Finanzierungsprojekt auf der Crowdinvesting-Plattform Seedmatch. Auch Spreadshirt gehört in diese Reihe, die weltweit führende E-Commerce-Plattform für den On-Demand-Druck von Kleidung und Accessoires. Und dies sind nur einige wenige Beispiele dafür, was die Start-up-Szene in Mitteldeutschland an tollen Ideen hervor- und auf den Markt bringt. Das Erreichte zeigt, dass in „Silicon Mitteldeutschland“ so einiges geht.

 

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Stefan Mayer-Ehrling
ist Hauptansprechpartner der EY Start-up-Initiative in Mitteldeutschland, Moderator, Jurymitglied oder Mentor bei Pitching Events, Start-up-Workshops und Hochschulveranstaltungen sowie als Engagement-Manager für EY im Bereich Tax Services in Leipzig tätig.
Stefan.Mayer-Ehrling@de.ey.com

 

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