12.03.2015 | Neuigkeiten & Interviews

Venture Capital Standort Deutschland – Hot Spot Berlin


Venture Capital Standort Deutschland – Hot Spot Berlin

Venture-Capital-Investoren werden oft gefragt, was wichtiger sei für die Entwicklung erfolgreicher Start-ups: die Idee oder das Team. Die Idee setzt den Beginn unternehmerischen Handelns und schafft Visionen, die allein jedoch kein erfolgreiches Business schaffen. Erst das Team macht aus der Idee ein tragfähiges Geschäftskonzept und transformiert Visionen in Teilziele. Es definiert Maßnahmen, wie diese Teilziele unter den gegebenen Rahmenbedingungen am besten zu erreichen sind.

Eine der wichtigsten Rahmenbedingungen ist die Finanzierung. In der kürzlich erschienenen Studie „Venture Capital and Start-ups in Germany 2014“ haben wir von EY untersucht, welche wesentlichen Trends sich aus vergangenen Finanzierungsrunden und Exits ableiten lassen und wie sich der deutsche Start-up-Standort im Vergleich zu anderen Ländern und den Vorjahren darstellt.

Stetig steigende Anzahl an Finanzierungsrunden mit Berlin als Hot Spot in Deutschland

Eine Analyse der Anzahl der veröffentlichten Finanzierungsrunden in Deutschland zeigt einen stetig steigenden Trend. Insbesondere ist seit dem Jahr 2010 nicht nur die Anzahl der Transaktionen auf ein erfreuliches Maß gestiegen, sondern auch die Zahl der in Deutschland aktiven VC-Investoren. Dabei sind deutsche Start-ups in zunehmendem Maße auch für ausländische Investoren attraktiv, was besonders für Finanzierungsvolumen ab etwa 5 Mio. Euro gilt. Schaut man sich die Verteilung der Finanzierungsrunden innerhalb Deutschlands und auch in den Metropolen Europas an, so offenbart sich, dass Berlin der mit Abstand führende Standort für digitale Start-ups in Deutschland ist. Gemessen an der erfassten Anzahl der Transaktionen hat Berlin weite Teile der noch vor ein, zwei Jahren bestehenden erheblichen Lücke zu London aufgeholt. Die deutsche Hauptstadt ist dabei, sich neben London als Zentrum der digitalen Wirtschaft in Europa zu etablieren.

Die Analyse zeigt ferner, dass insbesondere in den Jahren 2013 und 2014 eine weitere Diversifizierung innerhalb des digitalen Start-up-Sektors stattgefunden hat. Neben E-Commerce-Unternehmen und digitalen Marktplätzen werden verstärkt Geschäftsmodelle aus den Bereichen Network & Communication, FinTech, Marketing & Sales sowie IT & Software finanziert. Verschiedene Geschäftsmodelle locken verschiedene VC-Investoren an, was dem bestehenden Ökosystem stark zugutekommt. Neben reiner Eigenkapitalfinanzierung von Wachstumsunternehmen durch VC-Investoren sehen wir erste Kapitalgeber, die mittels Venture Debt in cashflowgenerierende Unternehmen investieren und auf diese Weise zum weiteren Wachstum beitragen.

Hohe kumulierte Finanzierungsvolumen indizieren kurz- bis mittelfristig weitere Exits im Milliarden-Euro-Bereich

Eine wesentliche und oft diskutierte Voraussetzung für das Erreichen der nächsten Entwicklungsstufe des deutschen Start-up- und VC-Marktes ist das Vorhandensein größerer Exits mit Unternehmensbewertungen von 1 Mrd. Euro und mehr. Auch in diesem Zusammenhang gibt es Positives zu vermelden. Neben den beiden IPOs von Rocket Internet und Zalando konnten zwei weitere Unternehmen (2014 bzw. Ende 2013) diese Bewertungsschwelle im Rahmen ihres Exits durchbrechen. Weitere sechs deutsche Jungunternehmen der digitalen Industrie konnten im Jahr 2014 einen Exit im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich realisieren. Eine Analyse der kumulierten Finanzierungsvolumen der Top-30-Start-ups mit Sitz in Deutschland indiziert, dass es in Deutschland auch weiterhin Exits im hohen dreistelligen Millionen- bzw. im Milliarden-Euro-Bereich geben wird. So haben diese Top-30-Unternehmen insgesamt ein Finanzierungsvolumen von mehr als 2,6 Mrd. US-Dollar akquiriert, das kurz- bis mittelfristig die damit verbundenen Renditeerwartungen erfüllen muss.

Finanzierungslücke im Bereich von 3 bis 10 Mio. Euro

Wesentliche Teile dieser Exiterlöse fließen in das deutsche Ökosystem zurück und stehen für zusätzliche Seed-, Early-Stage- und Wachstumsfinanzierungen zur Verfügung, die das deutsche Ökosystem trotz der erfreulichen Entwicklungen noch immer dringend braucht. Während im Bereich der Seed- und Early-Stage-Finanzierungen derzeit der deutsche Staat über verschiedene Konstrukte neben den VC-Fonds eine tragende Rolle einnimmt, klafft ab einem Finanzierungsvolumen von etwa 3 bis 5 Mio. Euro eine Lücke, die erst ab etwa 10 Mio. Euro von überwiegend ausländischen Investoren geschlossen wird.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt festzuhalten, dass sich in Deutschland ein nachhaltiges Ökosystem für digitale Start-up-Unternehmen etabliert. Wir beobachten ein deutlich verstärktes Interesse ausländischer Investoren, die mit vergleichsweise hohen Finanzierungsbeträgen in den deutschen Markt einsteigen. Bei unverändert guten konjunkturellen und geldpolitischen Rahmenbedingungen gehen wir davon aus, dass dieser Trend auch im Jahr 2015 anhalten wird. 

 

pruever

Dr. Thomas Prüver
Ansprechpartner Berlin
Thomas.Pruever@de.ey.com

 

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