12.03.2015 | Neuigkeiten & Interviews

Wenn Tanker und Schnellboote gemeinsam ins Wasser stechen


Business-Inkubatoren, Artikel von Dr. Susanne Wosch, Senior Manager von EY im Bereich Strategie

Start-ups spielen inzwischen eine wesentliche Rolle bei der erfolgreichen Entwicklung neuer Technologien, innovativer Dienstleistungen, zeitgemäßer Produkte oder gar ganzer Geschäftsmodelle. Sie sind häufig offener, kreativer und agiler, freier und experimentierfreudiger bei der Transformation der sich bietenden Technologie- und Marktoptionen in smarte Anwendungen. Etablierte Unternehmen tun sich damit häufig schwerer und wirken oftmals rückständig und nicht am Puls der Zeit.

Als Folge ist in der letzten Zeit eine stärker zunehmende Zusammenarbeit von etablierten Unternehmen und Start-ups zu beobachten, insbesondere im Bereich Digitalisierung oder in davon beeinflussten Technologietrends wie z. B. Internet of Things/Industrie 4.0, Wearables, Beacons, 3-D-Druck usw. In verschiedenen Modi der Kooperation legen die sehr unterschiedlichen Partner ihre jeweiligen Kompetenzen zusammen, um voneinander zu profitieren. Das können klassische formale Kooperationen oder strategische Partnerschaften sein, Co-Creation-Arrangements oder Vereinbarungen im Rahmen eines Venturing.

Ein Format der Zusammenarbeit hat in jüngster Zeit allerdings besondere Beachtung gefunden: Business Incubation. Eine Vielzahl von Corporates hat inzwischen eigene Inkubatoren etabliert. Die Deutsche Telekom mit hub:raum, Bayer HealthCare mit CoLaborator, die Commerzbank mit Main Incubator oder auch Immobilienscout24 mit You is Now sind nur einige wenige und prominente Beispiele.

Welche Motivation haben Corporates, Inkubatoren zu etablieren?

Für die meisten etablierten Unternehmen sind Innovationen für das weitere Wachstum von hoher Relevanz. Doch oft tun sie sich schwer, Innovationen zu entwickeln und erfolgreich in die Realität zu übersetzen. Das hat mit dem sogenannten Innovationsdilemma zu tun – der Notwendigkeit, einerseits das bestehende Geschäft zu unterhalten und weiterzuentwickeln und gleichzeitig neue Felder der Geschäftstätigkeit aufzutun. Vor große Herausforderungen werden Corporates insbesondere dann gestellt, wenn mögliche neue Geschäftsfelder nicht lediglich inkrementeller, sondern disruptiver Natur sind. Denn diese Art von Innovation bedeutet für etablierte Unternehmen eine enorme Abweichung vom bisher Bekannten und von den bestehenden Kompetenzen. Folglich sind diese Innovationsfelder mit hohen Risiken und wenig vorhersagbaren Erfolgsaussichten behaftet.

Neue, unsichere Wege zu beschreiten, ist der Kern von Innovation. Doch das Dilemma etablierter Unternehmen ist deren existierende und zumeist auch gut funktionierende, eingespielte strategische und operative Logik. Bestehende Prozesse, Kulturen, Fähigkeiten, Systeme und Anreizmechanismen unterstützen oftmals nicht das Verfolgen innovativer Ideen und Projekte, sondern behindern es vielmehr. Zudem lähmen sie die Umsetzungsgeschwindigkeit und Handlungsfreiheiten. Die „digital natives“ dieser Welt arbeiten gerade aus diesem Grund nicht in Konzernstrukturen, was es den Konzernen zunehmend schwerer macht, eine digitale DNA aufzubauen.

Folglich fokussieren sich etablierte Unternehmen eher auf die effektive Weiterentwicklung ihres Kerngeschäfts und verpassen damit den Aufbau erfolgversprechender zukünftiger Wachstumsfelder außerhalb des heutigen Kerngeschäfts. Diese werden dann eher von Entrepreneuren und ihren Start-ups besetzt – so geschehen u. a. bei Google, Facebook, Amazon, Apple oder auch kürzlich bei Spotify, Tinder, Uber oder Airbnb, um nur einige wenige zu nennen. Alles relativ junge Unternehmen mit neuen, teilweise disruptiven Geschäftsmodellen.

Ein Lösungsansatz, um der möglichen Marktverdrängung durch neue Geschäftsmodelle entgegenzuwirken, kann daher das Zusammenwirken mit Start-ups im Rahmen eines Business-Inkubators sein. Business-Inkubatoren werden mit dem Ziel etabliert, außerhalb der Konzernstrukturen einen „geschützten Raum“ zu schaffen, in dem die Unternehmen mit Start-ups zusammenarbeiten und dort fundamentale, innovative Ideen verfolgen.

Die Vorteile für die etablierten Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Start-ups in solchen Inkubatoren liegen klar auf der Hand:

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Warum suchen Start-ups die Kooperation mit etablierten Unternehmen?

Start-ups denken „out of the box“, sind nicht durch Konzernstrukturen eingeengt, haben Handlungsfreiheiten, digitales Know-how, neue Ideen sowie den „entrepreneurial spirit“, diese neuen Ideen in tragfähige Geschäftsmodelle zu transformieren. Und sie gehen bewusst Risiken ein – neun von zehn Start-ups erreichen keine langfristige Marktfähigkeit. Doch fehlt es ihnen oft an den notwendigen Ressourcen und an der Infrastruktur für den Geschäftsaufbau oder am Know-how in Bereichen wie F&E, Produktion, Marketing oder Vertrieb (z. B. Kunden) – Kompetenzen, die absolut nötig sind, um aus einer einfachen, innovativen Idee ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln. Diese Kompetenzen werden von den etablierten Unternehmen bis zur Perfektion beherrscht. Und genau daraus generieren sich die Vorteile für Start-ups:

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Im Rahmen eines Business-Inkubators lassen sich so die Stärken beider Parteien vereinen, um gemeinsam neue Wachstumsfelder zu etablieren und die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Inkubatoren haben daher ein enormes Potenzial, die Innovationskraft und den Innovationserfolg sowohl von etablierten Unternehmen als auch von Start-ups zu fördern.

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