07.09.2017 | Neuigkeiten & Interviews

START-UPS ALS COPILOTEN


Die Autohersteller brauchen digitales Know-how, um die Mobilität der Zukunft auf die Straße zu bringen. EY-Mobility-Fachmann Torben Kiemann sieht große Chancen für Start-ups.

Torben Kiemann ist Mobility-Branchenkenner bei EY und sieht für Start-ups große Chancen, sich bei der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle zusammen mit den Autobauern und Autozulieferern ans Steuer zu setzen.

 

Torben, was macht die Zusammenarbeit mit Start-ups für Autohersteller interessant?

Auch wenn aktuell die Themen Diesel oder Kartell in der Luft liegen: Die Autobauer und ihre Zulieferer stehen noch vor anderen, ebenso schwierigen Herausforderungen. Sie müssen alternative Antriebskonzepte entwickeln, vernetzte und selbstfahrende Autos vor Cyberangriffen schützen und sich auf den Mobilitätswandel vorbereiten, der weg vom eigenen Auto und hin zum Ride-Sharing oder Hailing geht. Schließlich gilt es auch, Lösungen zu entwickeln, wie sich Verkehrsströme intelligent lenken lassen. Für die großen Unternehmen ist es aufgrund ihrer Struktur und Kultur oft sehr schwierig, innovative Lösungen innerhalb kürzester Zeit zu entwickeln. Da kommen die Start-ups ins Spiel. Gerade die aus dem Technologie- und Telekommunikationssektor haben große Chancen!

Was sind die für Start-ups interessanten Megatrends in der Automobilbranche?

Die wichtigsten Trends sind die Vernetzung einschließlich der Art und Weise, wie die Fahrzeuge miteinander kommunizieren, das selbstlenkende Auto und schließlich die Transport infrastruktur, mit der die Mobilität auch in Zukunft sichergestellt werden kann. Ohne spezielle Sensoren und Kameras oder die Verarbeitung von riesigen Datenmengen in Sekundenbruchteilen ist das alles nicht möglich. Auch wichtig sind die Smart-Mobility-Services: Die Hersteller werden zu Dienstleistern und verdienen in Zukunft ihr Geld als Anbieter von kompletten Mobilitätslösungen einschließlich dazu passender Medieninhalte. Dabei sind benutzerfreundliche Apps, das Handling von Daten im Hintergrund und deren Bereitstellung sowie dezentrale Abrechnungssysteme gefragt. Schließlich ändern sich durch die Digitalisierung auch die Produktions- und Zulieferprozesse radikal. So werden zum Beispiel Virtual-Reality- oder Smart-Factory-Lösungen eine immer größere Rolle spielen. Diese gehen einher mit neuen Produktionstechniken wie 3D-Druck oder komplett veränderten Produktionslayouts.

Mit welchen Technologien sind Start-ups an diesen Entwicklungen beteiligt?

Nahezu in allen innovativen Schlüsseltechnologien: von Big Data über Virtual und Augmented Reality bis hin zum Internet of Things und der Vernetzung von Fahrzeugen oder Produktionsprozessen. Darüber hinaus liegt der Fokus auf Artificial Intelligence, Blockchain oder 3D-Druck. Auch die ungebrochene Entwicklung hin zu mobilen Anwendungen sowie der weiter wachsende Einfluss von Social Media sind Bereiche, in denen die Start-ups kräftig mitmischen.

Wie sehen Kooperationen zwischen Autoherstellern und Start-ups aus?

Es gibt klassische Kooperationen, bei denen der Autobauer oder Zulieferer mit einem oder mehreren Startups zusammenarbeitet. Die tüfteln dann so lange an einem Problem, bis sie die optimale Lösung finden. Autobauer kaufen aber auch einzelne Produkte, Servicepakete oder komplette Start-ups mit ihren jüngst etablierten Inkubatoren oder Venture-Capital-Vehikeln. Die Venture-Capital-Fonds von BMW, Bosch oder Daimler sind Beispiele. Auch nahezu alle anderen Automobilkonzerne beteiligen sich an Start-ups. 

Wie kommen Start-ups und Grown-ups zusammen?

Beide Gruppen haben Interesse an der Zusammenarbeit: Die einen suchen in der Regel Kapital, die anderen möchten an einer Vielzahl von Innovationen partizipieren und dabei ihr Risiko diversifizieren. Wir helfen ihnen dabei, sich kennenzulernen. Wir haben bei EY eine eigene Datenbank aufgebaut mit mehr als 3000 jungen und interessanten Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Wir veranstalten regelmäßige Start-up-Events wie im Herbst die „Venture Wiesn“ in München oder die „JournEY“ in Tel Aviv. Ein heißer Tipp für alle, die die Mobilität von morgen mitgestalten wollen, ist die „Future Mobility Platform“, die wir dieses Jahr zum zweiten Mal in Berlin veranstalten. Dort treffen sich Start-ups, Automobilhersteller und Zulieferer zum Kennenlernen und Austauschen. Aber auch Städte und Kommunen sind dabei. Mit etwas Glück finden bei der „Future Mobility Platform“ die richtigen Piloten und Copiloten zusammen!

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