05.08.2015 | Neuigkeiten & Interviews

Silicon-Valley-Reise? Hatte ich schon, aber steht mir doch!


EY-Partner Torsten Blaschke reiste Anfang Juni mit dem Bundesverband Deutsche Startups zur German Valley Week nach Kalifornien. Sein Fazit.

Der Bundesverband Deutsche Startups lud zum zweiten Mal zur German Valley Week nach Kalifornien ein. Als Neuling der Reise erwartete ich wenig: Standardbeschallung kalifornischer Sonnyboys, uns als staunendes deutsches Publikum, wenig Take-away. Aber wie habe ich mich geirrt! Was der Bundesverband mit Florian Nöll, Mirco Dragowski, Kathrin Zibis und Christian Tegge unter dem wachsamen Auge hinter roter Brille ihres Mentors Heinz-Paul Bonn organisiert hat, war weit mehr, als ich erwartet hatte.
Der erste Tag in San Francisco zeigte schon die Einzigartigkeit der Reise. Da tummelten sich nicht nur gefühlte 100 Jahre kumulierte Start-upErfahrung in der Gruppe. Auch fand ich mich mit Brigitte Zypries (parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium) als politische Botschafterin deutscher Start-ups genau wie mit Margret Suckale und Ingrid Hengster als namhafte Vertreterinnen deutscher Vorstände im Gespräch wieder. „Das ist das wunderbare Klima einer alten Klassenfahrt“, sollte später Fabian Rossbacher, Gründer des SEO-Day, darüber sagen.

DEUTSCHLAND MUSS SICH NICHT VERSTECKEN!

Eine Kernbotschaft der Reise vorweg: Deutsche Start-up-Szene, allen voran in Berlin, du musst dich nicht verstecken! Zwar schaffen es immer noch deutlich mehr Unternehmen im Silicon Valley durch Raketenstarts in Finanzierung und Bewertung in den Olymp der „Milliardäre in wenigen Jahren“. Es ist dieser Geist der Unbeschwertheit und Risikofreude, gepaart mit immer mehr konkurrierenden Geldgebern, der diese Früchte gedeihen lässt. Wenn es aber um Ideen, Innovationsfreude und den Willen zur Umsetzung geht, stehen deutsche Start-ups auch mit in den vorderen Reihen. Die vorsichtigeren, späten Finanzierungsrunden in Deutschland seien der Knackpunkt, stellte mit Christoph Gerlinger ein Investor fest, der es wissen muss.
Der erste Tag führte in diesem Geiste gleich zu Life360, einem Unternehmen mit traumhafter Millionenfinanzierung, und zu Tesla mit der visionären Umsetzung der Idee des Elektroautos. Torsten Blaschke Torsten Blaschke ist Partner bei EY und verantwortlich für Unternehmenstransaktionen und Finanzierungen, außerdem mitverantwortlich für die Start-up-Initiative von EY rund um den Standort München. Kontakt: torsten.blaschke@de.ey.com Zu unserer Überraschung ist bei Tesla auch Deutschland schon vertreten, da die an die „Terminator“-Verfilmung erinnernde Schweißstra- ße von dem deutschen Hersteller Kuka stammt. Beim Accelerator „500 Startups“ wurde uns gezeigt, wie professionell Start-ups für die erste und zweite Finanzierungsrunde aufgebaut werden. Die Frage bleibt offen, wie sehr der schnüffelnde „office dog“ an der Finanzierungsentscheidung beteiligt ist. Es ist allerdings auch deutlich zu spüren, wie sehr die hohe Verfügbarkeit von Investoren und Kapital das Rad schneller und schneller drehen lässt. Millionenfinanzierungen werden häufiger, die Fonds immer größer, die ersten Erwartungen einer Korrektur machen sich breit. E.ventures, die knapp eine Milliarde Dollar an Gründergeldern managen, rechnen mit einer baldigen Marktkorrektur. Vergleichbar, wenn auch viel vorsichtiger, äußerte sich der Partner eines der großen VC Funds im Valley nach einem sehr inspirierenden Vortrag. Der von vielen angestrebte Kurswechsel von Investoren zielt deshalb weniger auf schnelle Exit-Strategien als auf langfristige Strukturen ab. Und hier schließt sich der Kreis: Deutschland, da wartest du schon. Wenn wir gerade über Investoren sprechen: Gekrönt wurde der Besuch des VC-Mekkas Sandhill Road in Menlo Park von einer lebhaften Gartenparty bei Oliver Hanisch vom German Silikon Valley Innovation Lab. Während spannender Diskussionen tauchte überraschend auch die deutsche Investorenlegende Andy von Bechtolsheim auf. Plötzlich entwickelten sich Elevator Pitches bei Bier und lauer Abendsonne – Start-up-Herz, was willst du mehr?

SILICON VALLEY: KREISLAUF AUS HOHEN KOSTEN

Schwergewichte wie Google, Facebook und LinkedIn durften natürlich nicht fehlen. Wie der Bundesverband es geschafft hat, dass wir bei Facebook mit überlebensgroßer Leuchtreklame begrüßt wurden, bleibt deren Geheimnis. Auch bei Uber wurden wir prominent empfangen. Fabien Nestmann organisierte einen Vorstand und ehemaligen Obama-Vertrauten, der uns durch die Strategie des Unternehmen führte. Noch eine Anmerkung zu den häufig beneideten Millionenfinanzierungen im Silicon Valley: „Hier läuft ein Kreislauf aus hohen Gehältern, steigenden Immobilienpreisen und steigenden Kosten der Lebenshaltung. Die unfassbar hohen Gehälter im Valley müssen dazu in Relation gesetzt werden und sind summa summarum gar nicht mehr so hoch, wenn man bedenkt, wie teuer das Leben dort ist“, sagt Constanze Buchheim von I-Potentials. Vielleicht sind Berlin und Deutschland doch hervorragende Alternativen und ein ebenso cooles Pflaster für den Beginn einer Erfolgsstory ...
Würde es der Platz hergeben, könnte ich noch von vielen kleinen Momenten dieser Reise schreiben, die einen ganz besonderen Spirit geschaffen haben. Das überlasse ich gern Eurem Austausch bei dem einen oder anderen Networking Event. Ich bin überzeugt, der Bundesverband muss nächstes Jahr einen Numerus clausus einführen, um den Ansturm zu bewältigen.

 

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Torsten Blaschke
Torsten Blaschke ist Partner bei EY und verantwortlich für Unternehmenstransaktionen und Finanzierungen, außerdem mitverantwortlich für die Start-up-Initiative von EY rund um den Standort München.
Torsten.Blaschke@de.ey.com


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