01.03.2016 | Neuigkeiten & Interviews

Liquidität schafft Perspektiven


Wie ist die deutsche Start-up-Szene finanziell aufgestellt? Wieviel Venture-Capital ist nötig, um in die Top 30 zu kommen? In welchem Ausmaß engagieren sich Corporates hierzulande? Was sind die Aussichten für den Innovationsstandort Deutschland? Die kürzlich erschienene EY-Studie “Venture Capital and Start-ups in Germany 2015” gibt Antworten auf diese Fragen.

Deutsches Ökosystem im Aufwind

Die deutsche Start-up-Szene hat im Jahr 2015 eine neue Entwicklungsstufe erreicht. Finanzierungsrunden in Größenordnungen von über 10 Mio. EUR sind auf breiter Ebene vorhanden und im Bereich von mehr als 50 Mio. EUR keine Seltenheit mehr. Wir haben eine Vielzahl erfolgreicher Exits mit Erlösen im dreistelligen Millionen-Eurobereich gesehen. Die anhaltende Finanzierungstätigkeit verspricht weitere Exits in mindestens diesen Größenordnungen.

Die Geschäftsmodelle deutscher digitaler Start-ups haben ihre Marktfähigkeit unter Beweis gestellt. Wir sehen junge Unternehmen mit globaler Reichweite, die in ihren Kernmärkten profitabel und bereit für eine Skalierung sind. Die zunehmende Professionalisierung der Szene durch erfahrene Entrepreneure, ehemalige Berater sowie Mitarbeiter mit hervorragender technologischer Expertise hat eine eigene Industrie mit einem funktionierenden Ökosystem geschaffen. Corporates interessieren sich massiv für den Markt und suchen den Schulterschluss mit schnell wachsenden Start-ups.

EY untersucht seit mehreren Jahren in regelmäßigen Publikationen die Finanzierungslandschaft und leitet daraus wesentliche Markttrends ab. Erst kürzlich ist in diesem Zusammenhang die Studie „Venture Capital and Start-ups in Germany 2015: Liquidity meets perspective“ im Dezember 2015 erschienen.

4,8 Mrd. USD Venture-Capital für Deutsche Top-30-Start-ups

Per September 2015 haben die deutschen Top-30-Start-ups ein Finanzierungsvolumen von mehr als 4,8 Mrd. USD angesammelt (vor Exit oder IPO). Der deutliche Anstieg von mehr als 2,2 Mrd. USD im Vergleich zum Vorjahr unterstreicht die Attraktivität des Standorts Deutschland. Während hohe Finanzierungen im Vorjahr auf nur wenige Unternehmen entfielen, verbreitert sich die Basis zunehmend. War im Vorjahr eine Finanzierung von 8 Mio. USD ausreichend, um Mitglied der Top-30-Liste zu werden, so sind nunmehr bereits mehr als 30 Mio. USD erforderlich.

Wir beobachten eine zunehmende Heterogenität der Finanzierungslandschaft. Während sich im Seed- und Early-Stage-Bereich eine zunehmende Anzahl auch an deutschen Venture Capital Funds herausbildet, konkurrieren bei Finanzierungen im Bereich von mehr als 5-10 Mio. EUR ausländische Venture-Capital-Investoren zunehmend mit Private-Equity-Gesellschaften und Corporates bis hin zu spezialisierten Mezzanine oder Venture-Debt-Investoren.

Wir sehen Anzeichen dafür, dass die noch immer vorhandene „Lücke“ im deutschen Finanzierungsmarkt im Anschluss an eine Series-A Runde zunehmend von Corporate Investoren gefüllt werden kann. Das Interesse ist größer denn je, die dafür notwendigen Konzernstrukturen werden in nahezu allen Industriebereichen nach dem Vorbild erfolgreicher Medienunternehmen geschaffen. Die verstärkte staatliche Präsenz in Gestalt der KfW ist außerordentlich zu begrüßen, kann jedoch allein die vorhandene Lücke nicht schließen.

Deutschen Corporates auch bei M&A Deals verstärkt am Start

Waren noch vor einem Jahr nahezu ausschließlich ausländische Konzernkunden als Käufer deutscher Start-ups zu beobachten, so sind nunmehr verstärkt auch deutsche Unternehmen auf der Bieterseite vertreten. Im Zuge von „Make-or-Buy“-Überlegungen gelangen deutsche Konzerne verstärkt zu der Überzeugung, dass der Technologievorsprung und die Marktreichweite etablierter Wachstumsunternehmen sowohl zeitlich als auch finanziell, vor allem aber zeitlich nur schwer aufzuholen ist.

In einem Spektrum aus Acceleratoren- und Inkubatorprogrammen auf der einen Seite und professionell strukturierten M&A Prozessen auf der anderen Seite werden die Tech-Start-up-Szene und die deutschen Industriekonzerne verstärkt aufeinander zugehen.

Entlang der allseits dominierenden Trends sehen wir unverändert Unternehmen der Bereiche „FinTech“, „Food“ und „AdTech“ als diejenigen Marktteilnehmer, die hohe Finanzierungsvolumina akquirieren. Nicht weniger interessant ist aus unserer Sicht die Bewegung innerhalb der deutschen Industrielandschaft. Nach der Medienindustrie als Vorreiter sehen wir kurzfristig disruptive Veränderungen insbesondere in der Automobilwirtschaft, bei Energieunternehmen sowie den Unternehmen im Bereich Life Science einschließlich der Gesundheitsversorgung.

Wir blicken dieser Entwicklung mit Spannung entgegen. Bei unverändert guten konjunkturellen Rahmenbedingungen und stabilen politischen Verhältnissen auf globaler Ebene sehen wir Deutschland als Vorreiter der Digitalisierung in Europa.

 

Anz_BerlValNews

 

Zum Autor:

Dr. Thomas Prüver ist Senior Manager in der Transaktionsberatung von EY in Berlin und Herausgeber der EY Studie „Venture Capital and Start-ups in Germany 2015“, die im Dezember 2015 erschienen ist. Die Studie kann unter www.start-up-initiative.ey.comknowledgebase downgeloaded werden.

pruever 

Dr. Thomas Prüver
Ansprechpartner Berlin
Thomas.Pruever@de.ey.com

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