12.03.2015 | Neuigkeiten & Interviews

Was bewegt die Start-up-ökosysteme in Deutschland und weltweit?


Interview mit Stephan Uhrenbacher, Unternehmer und Business Angel im Rahmen einer hochrangigen Interviewserie für Start-up Grind in den St. Oberholz Apartments in Berlin

Welche Bedeutung haben die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet Deiner Meinung nach für das – ja immer noch recht junge – Start-up-Ökosystem in Deutschland bzw. für Start-ups selbst?

Die beiden Börsengänge haben einerseits eine internationale Signalwirkung. Es sind die ersten Börsengänge von deutschen Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen, die auch international Beachtung finden, insbesondere in den USA. Daher denke ich, dass künftig auch internationale Investoren Deutschland bzw. Europa etwas mehr im Fokus haben werden als bisher. Andererseits spülen Börsengänge grundsätzlich viel Geld in die Kassen der Gründer, die dieses Geld in der Regel wieder in das Start-up-Ökosystem einbringen – mal mehr, mal weniger.

Haben europäische Fonds in den letzten Jahren gegenüber den großen und auch viel älteren US-Fonds aufgeholt? Oder hat sich der Abstand eher noch vergrößert? Und wie siehst Du die derzeit diskutierte Erleichterung für deutsche Pensionsfonds, in Venture Capital zu investieren? Wird sie wesentlichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung europäischer VCs haben? Oder denkst Du, sie wird sich nicht auswirken?

Europäische Fonds haben in den letzten Jahren sicher nicht aufgeholt; der Abstand in Bezug auf Alter, sprich Erfahrung, und Größe der Fonds bleibt enorm. Zumindest sollte für Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften die Möglichkeit geschaffen werden, einen Teil ihrer Gelder in Risikokapital zu investieren. Ob und in welcher Höhe diese Mittel dann tatsächlich investiert werden, bleibt abzuwarten. Der kalifornische Pensionsfonds Calpers für Staatsbedienstete zieht sich zum Beispiel gerade aus dem Bereich Risikokapital zurück. Grund ist, dass die langjährigen Renditen im Mittel unterhalb von denen aus anderen Anlageklassen liegen.

Zurzeit spüren disruptive, digitale Geschäftsmodelle wie airbnb und Uber starken Gegenwind durch neue Gesetze oder aktuelle Rechtsprechungen. Wie siehst Du diese Konfrontation zwischen Establishment und den jungen, aufstrebenden neuen Geschäftsmodellen?

Ich denke, wir müssen trennen zwischen der Wahrung berechtigter Interessen von Betroffenen und purem Lobbyismus, der nur Besitzstände erhalten soll. Werden etwa Bewohner dadurch belästigt, dass Wohnungen permanent vermietet werden, ist das Interesse der betroffenen Bewohner durchaus gerechtfertigt. Es sollte dann auch durch entsprechende Regelungen geschützt werden. Anders sehe ich das im Fall von Lobbyismus, wenn beispielsweise Hotels die Renditen ihrer wie in Berlin oft staatlich subventionierten Investitionen sichern wollen. Die Sharing Economy ist jetzt als Rental Economy entzaubert. Dennoch werden sich gute Geschäftsmodelle langfristig durchsetzen. Dabei wünsche ich mir, dass die neuen Anbieter im Markt nicht so aggressiv auftreten und sich nicht über alle Regeln hinwegsetzen, wie dies teilweise zu beobachten ist.

Du hast einmal gesagt, erfolgreiche Investoren investierten in „Thesen“, zum Beispiel in Unternehmen, die Netzwerkeffekte erzielen können. Welche Thesen betrachtest Du als erfolgversprechend für die nächsten Jahre?

Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, Sachen richtig und gut zu machen. Und wenn es sich dabei um B2C-Geschäft handelt, sollte man dabei immer den Endkunden im Blick haben. Google war nicht die erste Suchmaschine, Facebook war nicht die erste Social-Media-Plattform, und dennoch haben es beide geschafft, ihre Konkurrenten zu übertreffen. 3-D-Drucker werden meines Erachtens starken Eingang in die Industrie finden, weniger in den Konsumbereich. Über Big Data wird viel geredet, aber für mich besteht kein überzeugender Ansatz, die Unmengen von Daten nutzbringend zu analysieren und auszuwerten. Als aktuelle These oder einen Trend betrachte ich Unbundling im weiteren Sinn. Große Konzerne bieten meist viele unterschiedliche Leistungen an. Diese lassen sich in kleinere Einheiten – auch Start-ups – auslagern. Solche kleinen Einheiten besitzen digitale Geschäftsmodelle, reagieren wesentlich schneller auf den Markt und sind kreativer, innovativer und letztlich auch kostengünstiger. Gezeigt hat sich dies bereits bei Zahlungssystemen. Ich kann es mir aber auch bei Versicherungen vorstellen.

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